Streit um Schoch-Areal: Stadt Stuttgart „enteignet“ Unternehmer
Zug, Stuttgart - Gegenüber dem Bahnhof Stuttgart-Feuerbach bestand auf einem fast 20.000 qm großen Grundstück ein Industriebetrieb der ehemaligen Hartchrom Schoch GmbH, welcher im Jahre 2004 stillgelegt wurde und mittlerweile zu einer hässlichen Brache verkommen ist. Ein Stuttgarter Unternehmer verhandelte seit 2007 mit den Eigentümern, erwarb die Brache 2009, ließ in der Folgezeit ein städtebauliches Gesamtkonzept für die Neugestaltung des Areals erstellen und wollte dies mit einem kapitalstarken Investor umsetzen. Nach langem Streit wurde er schließlich im Sommer 2011 „enteignet“, durch Ausübung eines Vorkaufsrechts, mit fadenscheinigen Argumenten und eine Präsentation seiner Pläne im Gemeinderat oder in den Fachausschüssen wurde ihm verweigert.
In den letzten Jahren wurden neben dem ehemaligen Industrieareal eine Kirche errichtet und in nächster Umgebung wurden zahlreiche Gebäude neu gebaut oder bestehende renoviert. Dadurch entstand ein zunehmend verdichtetes und ansprechendes Wohnquartier, welches mit ruhigem Gewerbe durchzogen ist. Der renommierte Stuttgarter Architekt Prof. Lamott erstellte für den Erwerber des Areals ein Städtebauliches Gesamtkonzept, welches sich in die über Jahre entstandene urbane Umgebung harmonisch einfügt.
Neues Städtebauliches Gesamtkonzept Der von Büro Lamott erarbeitete städtebauliche Masterplan sieht vor, auf einer Art Piazza eine ansprechende Wohnüberbauung mit ruhigem hochwertigem Einzelhandel zu schaffen, welche sich in zwei Richtungen mit durchgängigen Transversalen für Fussgänger öffnet und einen freien Durchblick bietet. Der Gesamteindruck orientiert sich an Beispielen hervorragender Gegenwartsarchitektur, wie sie sich in ehemalig industriell genutzten Zentrumslagen von Hamburg, Zürich oder Kopenhagen befinden. Das Konzept wurde der Stadt vorgelegt aber ignoriert. Es überzeugt und übertrifft in seiner Qualität die von der Stadt selbst vor einigen Jahren erstellte Refina-Studie für die Neugestaltung des Quartiers, die zumindest Ähnlichkeiten mit der Lamottschen Planung aufweist.
Baunternehmen möchte neuen Ortskern finanzieren Das Lamottsche Konzept gefiel einem traditionsreichen mittelständischen Bauunternehmen aus dem Kreis unserer Mitgliedsunternehmen so sehr, dass es sich im Sommer 2010 vorvertraglich dazu bereiterklärte, die Lamottschen Pläne für eine Neugestaltung gegenüber des Feuerbacher Bahnhofs mit einem Kostenaufwand von EUR 74 mio. umzusetzen. Auch die Dekontermination des verseuchten Bodens unter dem ehemaligen Galvanikunternehmen wollte es auf eigene Kosten durchführen.
„Enteignung“ durch die Stadt Die Stadt ignorierte diese Pläne und „enteignete“ den Unternehmer durch Ausübung eines Vorkaufsrechts, obgleich sie vor dem Kauf mitgeteilt hatte, dass sie an dem Gelände nicht interessiert sei.
Wie wir erfahren haben, will die Stadt auf dem Gelände vor dem Bahnhof einem anderen Unternehmer die Möglichkeit geben, eine Lackfabrik zu errichten. Und dies, obgleich eine moderne, verträgliche Zentrumsplanung, einschliesslich eines Investors bereits existiert.
In fast allen Großstädten Europas ist man sich darüber einig, dass eine Fabrik das allerletzte ist, was nach heutigen städtebaulichen Gesichtspunkten in einen sich höherwertig entwickelnden Ortskern gehört.
Gespräche mit dem Gemeinderat geplant Wegen der Vorgänge in Stuttgart-Feuerbach werden wir uns als der führender Verband des deutschen Mittelstandes nun an den Stuttgarter Gemeinderat wenden um für unsere Mitgliedsunternehmen, welche auf eigene Kosten die Umsetzung des Lamottschen Konzepts sowie die Sanierung des verseuchten Boden durchführen wollen, Gespräche zu ermöglichen.
Dabei stellen wir uns auf den Standpunkt, dass das Handeln der öffentlichen Verwaltung solche privaten Initiativen wie hier vorliegend unterstützen und nicht durch nachträgliche „Enteignung“ unterlaufen sollte.
Fortsetzung der Schoch-Ära Kaum zwei Jahre nach der Schliessung des Stammhauses in Stuttgart-Feuerbach im Jahre 2004 und zwei Jahre nach der Übernahme der Hartchrom Schoch GmbH investierte die weltweit tätige Surface Technologies International Holding AG (Schweiz) in den Ausbau des neuen Standortes Sternenfels-Diefenbach. Die Muttergesellschaft der neu entstandenen Hartchrom AG Steinach modernisierte dafür ein bestehendes Werk und erweitert es mit einem dreistöckigen Verwaltungsgebäude auf nahezu die Hälfte des 39'000 qm grossen Grundstückes. Das Werk beherbergt bereits heute eine der modernsten Chemisch-Nickel-Anlagen Europas und bietet Just-in-Time Beschichtung von Bauteilen der Papier- und Automobilindustrie an. Es wurde 2006 in Betrieb genommen.
BVMW Geschäftsstelle Zug
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