Meyer Burger ist mit Übernahme Roth & Rau fast am Ziel
Zug/Zürich – Der Solarfirma Meyer Burger ist bei der Übernahme des Rivalen Roth & Rau am Ziel. Nachdem im August die Chinesischen Kartellbehörden dem Kauf zugestimmt hatten, ist das Geschäft perfekt. Zum Ende der weiteren Annahmefrist hatte Meyer Burger mehr als 75 Prozent an dem ostdeutschen Unternehmen gehalten. Den Schlussstrich verhinderte bis zuletzt die chinesische Kartellbehörde. Nachdem auch diese Zustimmung vorlag, ging das Geschäft über die Bühne.
Meyer Burger schmiedet mit der rund 350 Millionen Euro teuren Übernahme einen Konzern mit 2'400 Mitarbeitern und einem Umsatz von über einer Milliarde Euro. Zunächst sah es nicht danach aus, als ob ihnen dies gelingen würde, denn kurz vor Ablauf der ersten Annahmefrist Anfang Juni hatte der Solarindustrie-Zulieferer sich lediglich 32,38 Prozent an Roth & Rau gesichert, die Aktie notierte wochenlang über dem Angebotspreis von 22,00 Euro je Aktie.
Meyer-Burger-Chef Peter Pauli hatte wiederholt erklärt, seine Offerte «auf keinen Fall» aufstocken zu wollen. Er setzte stattdessen auf die weitere Annahmefrist, die am 22. Juni endete und zum Erfolg führte. Am 21. Juni 2011 war der Kauf eines 6,34-prozentigen Aktienpaket an Roth & Rau von der niederländischen OTB geglückt. Ungemach drohte Meyer Burger hingegen vom deutschen Solarunternehmen Rena, deren Chef Jürgen Gutekunst seinen Anteil an Roth & Rau auf mehr als 10% erhöhte.
Mit dem Kauf des Roth & Rau-Aktienpakets von OTB stieg der Anteil Meyer Burgers an dem sächsischen Unternehmen auf 17,7%. Der Erwerb sei mittels Aktienkauf- bzw. Aktientauschvertrag zum Preis von 22 EUR je Aktie erfolgt, teilte Meyer Burger mit. OTB hatte damit ihre gesamte Beteiligung an Roth & Rau an Meyer Burger veräussert.
Rena-Gründer und Geschäftsführer des Photovoltaik-Spezialisten Rena mit Sitz im Schwarzwald hielt gemäss einer Stimmrechtsmitteilung zeitweise 10.49% an Roth & Rau. Roth & Rau war damals nicht bekannt, welche Ziele Gutekunst mit der Anteilsaufstockung verfolgte, sagte eine Unternehmenssprecherin Mitte Juni 2011.
Erst Anfang März hatte Gutekunst die meldepflichtigen Schwellen von 3 bzw. 5% der Stimmrechte an Roth & Rau überschritten. Per 9. März hielt er 5,09% der Anteile, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung vom 21. März hervorgeht.
Kartellrechtliche Aspekte
Ende Juni hatte Meyer Burger einen Anteil am Gesamtkapital von Roth & Rau in Höhe von 81,89% gemeldet. Das Deutsche Bundeskartellamt hatte die Kartellfreigabe für die Übernahme und den damit verbundenen Zusammenschluss der beiden Unternehmen bereits im Mai 2011 erteilt.
Die Kartellfreigabe durch Kartellbehörden des Wirtschaftsministeriums der Volksrepublik China war die letzte offene Bedingung im öffentlich Übernahmeangebot. Die chinesischen Behörden hatten das Prüfverfahren zum Erwerb des deutschen Solarzulieferers verlängert, wie am 18. Juli 2011 bekannt wurde. Kurz danach kam aber bereits das OK.
Vorgeschichte
Der Solaranlagenbauer Roth & Rau aus Hohenstein Ernstthal hatte erst im Februar 2011 insgesamt 55 Mitarbeiter entlassen; hauptsächlich Ingenieure und Techniker. Das Unternehmen hatte damit auf die Millionenverluste im vergangenen Geschäftsjahr reagiert. Obwohl der Umsatz weiter gestiegen war, brachen die Gewinne des Unternehmens ein, weil mehrere Großaufträge platzten.
Erstellt mit Material von stocks.ch
BVMW Geschäftsstelle Zug
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