Richtungsweisender deutscher Maschinenbau.
Zug/Berlin, 01. September 2010 - Die Innovationskraft der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer bei Energieeffizienz, Downsizing des automobilen Antriebsstrangs sowie alternativen und regenerativen Energien ist weltweit einzigartig. Aber auch in allen anderen Gebieten markieren die grossen Mittelständischen Innovationstreiber, von denen ein markanter Teil im BVMW organisiert ist, international zu den Besten ihres Fachs. Nachfolgend geben wir Ihnen eine Übersicht, was den deutschen Maschinenbau in der Welt heute so erfolgreich macht und wo sich neue Trends zeigen:
- Wo der deutsche Maschinen- und Anlagenbau unschlagbar ist
Die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Maschinenbaus ist in den letzten 10 Jahren massiv gewachsen. Dies durch deutlich gesunkene Lohnstückkosten sowie durch den Erhalt von kritischem Know-how in der Krise, etwa durch Neueinstellungen oder Kurzarbeit. Dieser Wettbewerbsvorteil wird sich für Deutschland innerhalb Europas in den nächsten Jahren auszahlen. Die marktführende Stellung wird besonders im kundenindividuellen Projektgeschäft erfolgreich verteidigt. Damit sichern die Unternehmen die Zukunftsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland, denn der Standardmaschinenbau und das Flächengeschäft verlagern sich zunehmend nach Asien. Der Produktionsstandort Schweiz hat im Standortwettbewerb die gleichen Chancen, wenn es der Politik gelingt, die bisher günstigen Rahmenbedingungen des Landes zu erhalten.
- Zukünftiger Wandel im Anlagen- und Maschinenbau
Bereits heute findet ein Großteil des so genannten Detailed Engineering in Ländern wie Indien, China, Südafrika, Brasilien oder Portugal statt. Dabei handelt es sich um das viele Stunden umfassende Mengengeschäft im Großanlagenbau – zum Beispiel die computergestützte Auslegung von Rohrleitungspaketen für Raffinerien oder Chemieanlagen. Im bauleistungsnahen Bereich des Großanlagenbaus treten völlig neue Wettbewerber auf den Plan – vermehrt aus Korea und China. Die Wertschöpfung wird sich daher in Zukunft stärker verteilen. Damit rücken andere Wettbewerbs- und Partnerschaftskonstellation ins Visier deutscher Anlagenbauer. Für den Kunden einer Zementanlage im Mittleren Osten kann dies beispielsweise heißen: Technologie aus Deutschland, Engineering aus Indien, Bauleistung aus China und Finanzierung aus Frankreich.
- Energieeffizienz
Der von der deutschen Automobilindustrie eingeleitete Trend zum Downsizing durch kleinere Motoren mit größerer Leistung und zur Elektrifizierung des Antriebsstrangs wirkt sich positiv auf die Entwicklung des deutschen Werkzeugmaschinenbaus aus. Für die nächste Generationen der Antriebstechnik wie Elektromobilität, Hybridtechnologie und Turbo-Mehrfachaufladung sind neue Fertigungsanlagen notwendig; ein Zweig, in dem deutsche Maschinen- und Anlagenbauer historisch sehr stark sind. In der Luftfahrt befördert der Energiekostendruck den Bau kerosinsparender Flugzeugmodelle. Das beflügelt zum einen den Einsatz gewichtsparender Karbonwerkstoffe, zum anderen den Ersatz von Aluminium durch Titan. Die Einführung dieser neuen Werkstoffe bringt einen Aufschwung im Werkzeugmaschinen- und Anlagenbau in Deutschland mit sich, der die titanbearbeitenden Maschinen sowie die Anlagen für die Kohlefaserproduktion bereitstellt. In der Energieproduktion und -verteilung profitieren deutsche Maschinen- und Anlagenbauer von staatlich geförderten regenerativen Erzeugungstechnologien wie Wind und Solar, sowie vom Ausbau einer intelligenten Netzinfrastruktur, den so genannten „smart grids“. Siemens’ Energiesektor, ThyssenKrupp’s Rothe Erde und Unternehmen wie Voith, LM Glasfiber oder Ferrostaal und ihre mittelständischen Zulieferer verzeichnen hier stark steigende Auftragseingänge.
- Service als Wachstumsmotor und Margenbringer
Die Zukunft des deutschen Maschinenbaus liegt im Servicegeschäft. Die wenigsten Unternehmen nutzen hier bisher ihr ganzes Potenzial. Je konsequenter sich aber ein Unternehmen als Lösungsanbieter positioniert, desto besser kommt es durch Krisenzeiten. Die Margen im Servicegeschäft sind mit 21 Prozent viermal so hoch wie beim Bau neuer Anlagen. Dies ist ein Grund, warum Unternehmen mit einem hohen Serviceumsatzanteil erheblich weniger unter der Krise und den aktuellen Turbulenzen leiden.
- Strategische Herausforderungen
Alle automobilnahen Maschinen- und Anlagenbauer beschäftigen sich derzeit mit Verlagerungsszenarien ihrer Produktionsstandorte. Mittelfristig werden sie Produktionsstätten von Europa nach Asien verlagern und in Europa von West nach Ost. Damit gewinnen die Wiederaufarbeitung gebrauchter Maschinen und die Anpassung von Anlagen an neue Produktionsprozesse, zum Beispiel im Zuge einer Standortverlagerung von Portugal oder Spanien nach Ungarn, für Maschinenbauer an Bedeutung. Global wird der chinesische Absatzmarkt für Werkzeugmaschinen in naher Zukunft größer sein als der US-Markt. Diese Entwicklung leitet schon heute einen Perspektivenwechsel bei vielen deutschen Maschinenbauern ein.
- Absatzfinanzierung
Die Verknappung von Fremdkapital zur Absatzfinanzierung beeinflusst den Maschinen- und Anlagenbau in doppelter Hinsicht: Zum einen sinkt die Kreditvergabebereitschaft der Banken, so dass Maschinen- und Anlagenbauer häufiger mit der Strukturierung und Vermittlung von Projektfinanzierungen konfrontiert sind. Zum anderen gründen Unternehmen selbst, wie zum Beispiel Gildemeister, Absatzfinanzierungsbanken und leihen ihren Kunden Geld, damit diese die eigenen Maschinen kaufen können.
- Rohstoffnaher Maschinen- und Anlagenbau
Steigende Rohstoffpreise und höhere Margen, die durch die Rohstoffverarbeitung erzielt werden können, kommen dem rohstoffnahen Maschinen- und Anlagenbau zugute. Durch höhere Rohstoffpreise wird auch der Abbau bisher unrentabler Vorkommen lukrativ, wie zum Beispiel Ölsand in Kanada oder Erz, Kohle und Gold in Afrika. Die dazu benötigte Förder- und Umschlagtechnik wird auch von deutschen Unternehmen angeboten, zum Beispiel von ThyssenKrupp Fördertechnik.
- Ernährung und Bevölkerungswachstum
Die Medizintechnik ist in Deutschland ein starkes Betätigungsfeld für den Maschinenbau. Ob als Hersteller präzisionsverarbeitender Maschinen oder für Geräte im Bereich Implantatemedizin – alle profitieren vom Megatrend „Antiaging“. Gleichzeitig fördern Miniaturisierung und der Einsatz neuer Werkstofftechnologien unter Einsatz von Composites, Titan den Absatz neuer Werkzeugmaschinen mit hohen feinmechanischen Bearbeitungsfähigkeiten. Der deutsche Agrar- und Nahrungsmittelmaschinenbau profitiert von der wachsenden Weltbevölkerung und den sich verknappenden Agrarflächen. Die Agrar- und Nahrungsmittelproduktion geraten immer stärker unter Kostendruck. Das heißt, dass Maschinen und Anlagen zum Anbau und zur Produktion von Nahrungsmitteln in Zukunft noch leistungsfähiger und effizienter werden müssen, was die Nachfrage nach neuen Anlagen steigern wird. Viele dieser Anlagen kommen aus Deutschland unter anderem von Claas, Fendt oder GEA.
BVMW Geschäftsstelle Zug
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