Weitere Gewinnwarnungen werden folgen
Zug/Zürich - Kann sich Meyer Burger dem negativen Trend in der Solarbranche entziehen? Das Unternehmen ist eines vom drei an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen, die in den letzten zwei Wochen Gewinn- und Umsatzwarnungen bekannt gaben. Weitere Firmen sind bereits gefolgt.
Der Kolbenkompressoren-Hersteller Burckhardt Compression reduziert die Umsatzerwartungen um gut 10 Prozent, der Computerzubehör-Produzent Logitech senkt die Gewinnprognosen um rund einen Drittel, und die Liechtensteinische Landesbank gibt eine Gewinnwarnung nach einer Kredit-Wertberichtigung heraus. Auch wenn diese Warnsignale von drei Unternehmen aus drei Branchen stammen – ein Zufall ist diese Häufung nicht.
"Wir werden weitere Gewinnwarnungen sehen", sagt Alfred Ritter, Anlagechef bei der Basler Kantonalbank. Er glaubt, dass noch nicht alle Analysten die Gewinnerwartungen genügend nach unten revidiert haben. Ins gleiche Horn stösst auch Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank. Der Aktienanalyst sagt: "Das Risiko weiterer Schätzungsrevisionen für das laufende und nächste Jahr ist hoch."
Der Grund dafür ist nicht nur der weiterhin starke Franken, sondern die eingetrübten wirtschaftlichen Aussichten. In der Eurozone wie auch in Deutschland zeigen Frühindikatoren eine schwächer werdendes Wirtschaftswachstum an. Und vor wenigen Tagen senkte das Seco seine Prognose für das BIP-Wirtschaftswachstum für 2012 um fast die Hälfte.
Industrie, Banken und Luxusgüter sind gefährdete Sektoren
Derzeit besonders gefährdet für Gewinnwarnungen sind drei Sektoren: Industrie, Banken und Luxusgüter. Die Industriebranche litt erst unter der Frankenstärke. Nun machen sich fallende Preise und sinkende Margen weiter deutlich spürbar. Vor allem die Aktien von Automobilzulieferern und Solarfirmen sind jüngst unter die Räder gekommen.
Georg Fischer büsste in den letzten drei Monaten 30 Prozent ein, Komax 34 Prozent und der Rieter-Spinoff Autoneum gar 37 Prozent. Im Fall von Komax mag das etwas verwundern. Noch im Juli präsentierten die Luzerner ein äusserst positives Ergebnis mit einem zuversichtlichen Ausblick, was von der Börse allerdings nicht honoriert wurde. Die Zukunft wurde – trotz gut laufender Automobilindustrie – als zu unsicher gewertet.
Gewinnwarnungen bei Solar-Firmen
Oder die Solarfirmen: Trotz momentaner Nachfragedelle betonte Meyer Burger noch im August bei der Präsentation der Halbjahreszahlen die gute Auslastung, die ihren Betrieben mindestens für die nächsten zwölf Monate eine Vollauslastung garantieren. Allerdings nehmen auch hier die konjunkturellen Unsicherheiten fortlaufend zu.
Nach der Gewinnwarnung von der Meyer-Burger-Akquisition Roth & Rau senkte vergangene Woche auch der deutsche Solartechnikonzern SMA die eigene Guidance. Das zog auch den Kurs der Meyer-Burger-Aktie in den Keller. Seit dem Hoch nach der Fukushima-Katastrophe hat sie sich praktisch halbiert. Der Markt hat einen schlechteren Geschäftsgang bereits eingepreist. Weitere Kandidaten aus dem Industriesektor für Gewinnwarnungen sind Arbonia Forster und der Textilmaschinenhersteller Rieter.
"Die eine oder negative Überraschung werden wir auch bei den Banken sehen", fügt Ritter an. "Hier wird es das eine oder andere Institut geben, das seine Ziele nicht erreicht." Hände weg gilt für ihn auch bei den Luxusgüteraktien, wo Ritter nicht mehr an einen erneuten Höhenflug von Swatch und Richemont glaubt.
Eintrübung zeichnete sich bereits früher ab
Diese Eintrübung der Aussichten kommt indes nicht völlig überraschend. Diese hatte sich zwischen den Zeilen bereits bei der Präsentation der Halbjahreszahlen angedeutet. So verzichteten zahlreiche Firmen auf eine klare Ansage der Jahresziele. Der Bauchemiehersteller Sika verzichtete auf die Angabe von Gewinnzielen, sondern gab an, das Marktwachstum übertreffen zu wollen. Auch der Industriekonzern Georg Fischer blieb bei vagen Aussagen.
Diese Unsicherheiten kommen auch zum Ausdruck, wenn man mit Firmenchefs redet. So glaubt zum Beispiel Phoenix-Mecano-Chef Benedikt Goldkamp, dass gerade im Bereich Maschinenbau, Automobil- und Solarindustrie die grosse Dynamik vorerst weg sei. Auch Peter Suter von der Cham Paper Group zeigt sich etwas ratlos. "Wir haben schon diverse Effizienzmassnahmen ergriffen. Aber die Preise können wir nicht beliebig erhöhen, auch wenn die Rohstoffpreise auf Allzeithoch sind", sagte Suter kürzlich am 'Swiss Equity Day' in Zürich.
Für Ritter sind dies Anzeichen, dass die turbulenten Zeiten an der Schweizer Börse noch bis Mitte oder Ende Oktober anhalten werden. "Der SMI kann schon nochmals gegen 4800 Punkte fallen, bevor er unser Jahresziel von 5800 erreicht", sagt Ritter.
Für Anleger könnte es sich deshalb lohnen, die Zeit bis zu den Drittquartalszahlen, die ab November anstehen, sich mit Aktien-Engagements zurückzuhalten.
Quelle: Erstellt mit Material aus einem Bericht von Pascal Meisser, Cash-Online
BVMW Geschäftsstelle Zug
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