Die Betriebsausstatter – Der BVMW in der Schweiz
München - Deutsche Mittelständler in der Schweiz ziehen inzwischen einen Dienstleistungsmarkt nach sich. Elisabeth Los arbeitet seit zwei Jahren als freiberufliche Übersetzerin in Rennaz. Der Ort liegt in der französischsprachigen Schweiz, Lausanne und Montreux sind die nächsten größeren Städte, Die 51-Jährige ist zweisprachig aufgewachsen und übersetzt Touristik- und Kulturtexte aus dem Deutschen oder Englischen ins Französische und Niederländische. "Die Schweiz ist ein Dorado für Übersetzer", sagt sie.
In keinem anderen Land lebten so viele verschiedene Nationalitäten auf einer so kleinen Fläche. Die Schweiz ist multilingual. Ihre Kunden findet Elisabeth Los durch persönliche Empfehlungen über eine Internet-Übersetzungsagentur. Diese hilft vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben bei ihrer Expansion ins Ausland, indem sie Briefe, Verträge, Websites oder Bedienungsanleitungen von Sprach-Profis übersetzen lässt. Die Kunden können unter 220 Sprachkombinationen und 35 Fachkategorien wählen.
Neben Übersetzern stehen in der Schweiz Helfer aus vielen Berufen bereit, Unternehmer heim Sprung auf den Markt der Alpenrepublik zu unterstützen: Dolmetscher, Rechtsanwälte, Notare, Unternehmensberater, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Banken und Immobilienenmakler. Wichtige Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in der Schweiz sind die Geschäftsstellen des 'Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Zug und Zürich'. Er ist nach eigenen Angaben "der einzige politisch abhängige deutsche Spitzenverband" der mit eigenen Geschäftsstellen in der Schweiz präsent ist.
Verbandsmitglieder und externe Interessenten können am Ort Hilfestellungen in Anspruch nehmen. Dazu gehören Marktinformationen und Kontaktanbahnung. Auch Gründungen, Versicherung, Verwaltung von Unternehmen und Fragen zur Sicherheit werden beantwortet. Sogar bei der Suche nach Finanzierungen und bei anstehenden Nachfolgeregelungen beraten die Mittelstandsexperten.
"Wir haben hier ein umfangreiches Netzwerk", sagt Oskar G. Loewe, Landesbeauftragter des Verbands in der Schweiz. "Besonders hilfreich für Schweiz-Newcomer sind unsere Verbindungen zu den Behörden, zur Deutschen Botschaft sowie zur Ständigen Vertretungen der Europäischen Union und wichtiger europäischer Nachbarländer." Auch Banken haben sich auf den Beratungsbedarf "wanderungswilliger" deutscher Mittelständler eingestellt. Die Frankfurter Bankgesellschaft in Zürich beispielsweise. Sie gehört zur deutschen Sparkassen-Gruppe und ist Mitglied im BVMW. Die Privatbank hat in Zürich ein Kompetenzzentrum eingerichtet, das sich an Deutsche in der Schweiz richtet. Das Kreditgeschäft wird allerdings nur in Deutschland angeboten.
Ganz ohne fremde Unterstützung hat Alfred Fuchsgruber den Schweizer Markt erschlossen. Der Sicherheitsexperte aus München arbeitet seit 15 Jahren für große Einzelhandelsunternehmen in Deutschland. Er berät die Unternehmen bei der Diebstahl-Sicherheit und erwirtschaftet mittlerweile 20% seines Umsatzes in der Schweiz und mit schweizerischen Firmen. Für Fuchsgruber unterscheiden sich die Schweizer Kunden kaum von deutschen Firmen. Höchstens bei den Fachausdrücken gibt es Unterschiede: So spricht man in der Schweiz von Detailhandel, wenn Einzelhandel gemeint ist. Wer solche Feinheiten nicht kennt, hat schlechte Karten.
Wer die Feinheiten nicht kennt, hat in der Schweiz schlechte Karten
Wie Fuchsgruber zieht es immer mehr deutsche und internationale Dienstleister' zu den Eidgenossen. Ein Beispiel: Das deutsche IT-Beratungsunternehmen Syrocon Consulting aus Eschborn hat seit einem Jahr in Uttwil eine Niederlassung. Die Hessen sind überzeugt, dass sich der schweizerische Markt auf Wachstumskurs befindet. "Die Schweiz ist Finanzstandort und europäischer Drehund Angelpunkt für viele Wirtschaftsbereiche", sagt Karl Heinz Knurr, der Geschäftsführer in Uttwill. "Deswegen werden hier auch in Zukunft deutschsprachige .Dienstleister dringend gebraucht." Auch global agierende Helfer wissen um solche guten Voraussetzungen und gründen Außenstellen. Zum Beispiel Capco: Der internationale Finanzdienstleister hat seit Oktober 201 ein Büro in Zürich und damit neben der Filiale in Genf bereits die zweite Präsenz im Land. Die Kunden sind sowohl einheimische Unternehmen als auch deutsche, britische oder französische - Sie bekommen in der Schweiz komplexe Beratungsdienstleistungen", sagt Europa-Chef Peter Schurau. Nach der Finanzkrise müsse sich die gesamte Finanzdienstleistungsbranche verändert auf die neuen Herausforderungen einstellen, um gut aufgestellt zu sein". Auch das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG ist in der Schweiz seit langem aktiv. Die Schweiz bleibe ein interessanter Steuer- und Investitionsstandort, heißt es bei KPMG trotz andauernder Debatten über das umstrittene Bankgeheimnis. Das Land biete für kleine und mittelständische deutsche Unternehmen hohe Planungs- und Rechtssicherheit und steuerlich interessante Möglichkeiten, etwa die der "gemischten Gesellschaft". Diese Rechtsform erlaubt es, die Steuerbelastung auf neun bis 13 Prozent zu senken; wenn Handel oder Dienstleistungen überwiegend im Ausland erwirtschaftet werden.
Schon wegen seiner Geographie, der vielen Gebirge, die es Großindustrien schwer machen, sich anzusiedeln, ist die schweizerische Wirtschaft von Dienstleistungsunternehmen geprägt. Da die inländischen Firmen aber erhebliche Probleme haben, Personal zu finden, eröffnen sich für deutsche Dienstleister gute Chancen. Insbesondere dann, wenn sie ihre deutschen Kunden auf deren Weg ins Alpenland begleiten.
Autor: Jürgen Hoffmann
Quelle: Süddeutsche Zeitung
BVMW Geschäftsstelle Zug
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